The social dilemma

Das Dilemma mit den sozialen Medien

Seit ein paar Tagen ist eine Dokumentation über die sozialen Medien auf Netflix Online. Gedreht wurde die Dokumentation bereits 2018/2019 und hat 2020 ein paar Ergänzungen erhalten.

Das die sozialen Medien unsere Daten nutzen, um uns Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen dürfte keinem mehr neu sein. Dennoch war ich sehr überrascht und auch neugierig was die Netflix Dokumentation the social dilemma für Einblicke gewähren würde.

Als Social-Media-Managerin ist es tatsächlich eine Pflicht gewesen diese Doku zu sehen und allen anderen kann ich sie auch nur wärmstens ans Herz legen. Zur Aufklärung, zum eigenen Verständnis und vielleicht auch zum Anregen etwas zu verändern.

In der Dokumentation, von Jeff Orlowski, wird durch dokumentarische und fiktionale Filmszenen versucht, die Funktionsweise sozialer Medien aufzuzeigen.

Was ist das Problem mit Social Media?

Dabei geht es vor allem darum, wie menschliche Schwächen ausgenutzt werden und wie selbst die Erfinder und Vorstände von Google, Instagram, Pinterest und Co. nicht dagegen gefeit sind.

In den ersten wenigen Minuten wird schon die Frage gestellt, um die es die ganzen 89 Minuten gehen soll:

Was ist das Problem mit Social Media? Oder auch, gibt es eins und wenn ja, welches?

Und da fallen den Gesprächspartner*innen (Tristan Harris, Aza Raskin, Justin Rosenstein, Shoshana Zuboff, Jaron Lanier und andere) einiges ein:

– Internet-/Handysucht

– Depressionen

– Fake-News

– Cyber-Attacken

Die Filter-Krankheit

Oder auch Snapchat-Dysmorphia. Was das ist? Dysmorphophobie bezeichnet eine psychische Störung, bei der sich die Betroffenen permanent mit ihrem Äußeren beschäftigen und hässlich fühlen. Durch die diversen Filter und Facetunning-Apps verlieren Menschen den Bezug zu Realität und wollen so aussehen wie ihr Selfie-Ich. Ein fataler Trend der vor allem junge Menschen trifft. Doch kann man es ihnen verübeln? Meiner Meinung nach nicht! Ist die Generation Z doch die erste die schon mit den sozialen Medien aufwächst.

Laut einer Studie des US Centers for Disease Control and Prevention ist seit dem Jahr 2009 die Anzahl der unter Depressionen und an Angststörungen leidenden Teenagermädchen im Alter von 15–19 Jahren um +62 % gestiegen und bei den Mädchen von 10 bis 14 Jahren um erschreckende +189 %!

Auch die Selbstmordrate ging nach der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts (2001-2009) bei den 15-19-Jährigen um +70 % nach oben und bei den 10-14-Jährigen sogar um +151 %!

Diese Generation ist ängstlicher, zerbrechlicher und depressiver.

Ist Social Media wirklich gratis?

Denken wir noch immer das Social Media gratis ist? Du zahlst Deinen Preis. Du zahlst mit Deiner Lebenszeit und was ist wertvoller als Deine Zeit? Social Media will genau das von Dir und bekommt es auch. Deine wertvolle Zeit. Deine AUFMERKSAMKEIT. Dabei wetteifern sie um Deine Gunst und wie? Mit dem Algorithmus. Denn wir sind das Produkt.

Für Jaron Lanier ist das etwas zu einfach ausgedrückt er sagt „It´s the gradual, slight, impercepible change in your own behavior and perception. Thats the product.“

(Das Produkt ist die allmählich schleichende, kaum spürbare Veränderung des eigenen Verhaltens der Wahrnehmung. Das ist das Produkt.)

Das einzig mögliche, das einzige womit „sie“ Geld verdienen können. Mit Deinem Verhalten, es zu verändern, Deine Identität, kaum spürbar und schleichend.

Der User kann nicht ohne

Und wie?

Social Media sind keine Werkzeuge, die darauf warten genutzt zu werden, sondern psychologische Mittel, die gegen Dich verwendet werden.

Zitat von Edward Tufte

In der Dokumentation räumen zum Beispiel Tech-Insider wie Tristan Harris (Ehemaliger Google-Design Ethiker) oder auch Tim Kendall (ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Pinterest) ein, dass sie die Tricks kennen, mit denen man am Handy gehalten wird aber sie können sich auch nicht oder nur schwer dagegen wehren.

Nicht mal 5 Minuten ohne Handy

Filmisch zeigt sich diese Abhängigkeit zum Beispiel in einer Szene der 5-köpfigen Familie, die wir hier öfter begleiten dürfen. Die Mutter möchte einmal ein Dinner mit der Familie, und zwar ohne Handys am Tisch. Dazu schließt sie alle Handys in einen Glascontainer, der wie ein Safe mit einem Zeitschloss versehen ist. Für eine Stunde sollen alle darauf verzichten und sich unterhalten. Keine Minute vergeht und da vibrieren die Handys und geben die gewohnten Töne von sich. Die beiden jüngeren Kinder wollen mal kurz nachschauen, doch die Mutter verbietet dies. Die jüngste Tochter steht auf, um vermeintlich eine neue Gabel zu holen und schlägt den Glascontainer kaputt, um sich ihr Telefon zu holen.

Das alles ist in unter 5 Minuten passiert.

Mag sein, dass es etwas drastisch dargestellt wurde aber selbst an mir merke ich, dass ich unruhig werde, wenn mein Handy nicht in der Nähe ist und ich nicht sehen kann, wer sich gerade gemeldet hat …

Der Algorithmus ist wie ein Kaninchenbau

Guillaume Chaslot (Ehemals Algorithmen-Team Youtube):

„Manch einer denkt, dass der Algorithmus da ist, um den Leuten das zu geben, was sie wirklich wollen. Aber das stimmt nicht. Der Algorithmus versucht wie bei einem Kaninchenbau ein Loch zu finden, und zwar möglichst eins das am direktesten an Deinen Interessen liegt und wenn Du Dir dann eins dieser Videos ansiehst. Dann wird er Dir immer mehr solcher Videos empfehlen.“

Und hier kommen wir zu einer anderen Seite von Social Media.

Fakenews

Fakenews und Verschwörungstheorien

Du hast einen völlig anderen Social-Media-Feed als Deine Freunde, Familie, Kollegen oder Deine Kinder. Auch wenn ihr auf gleichen Plattformen unterwegs seid, so kommen auch die unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen zustande, zum Beispiel über die Echsenmenschen, den Corona-Leugnern oder im politischen Bereich. Im Grunde gut, oder? Jein. So entstehen immer wieder fatale Fakenews, Verschwörungstheorien und krude politische Statements, die einfach nicht wahr sind und unser Leben erschweren oder sogar zu schweren Ausschreitungen führen.

Social Media ist eine der besten Überzeugunsinstrumente, die je erschaffen worden sind. So stark, dass sie als Waffe eingesetzt werden. In der Dokumentation geht man explizit auf Hate speech in Myanmar ein. Wo den Kunden*innen auf ihre Telefone bereits vorinstallierte Facebook-Accounts aufgespielt werden! Und ich frage mich ab dem Zeitpunkt ernsthaft; „Wie komme ich da raus? Habe ich vielleicht den falschen Job gewählt? Bin ich Mitschuld am Ende der Menschheit?“

Strengere Gesetze können helfen

Zum Glück behandelt die Dokumentation auch Vorschläge und Handlungsempfehlungen für jeden von uns und es wird nicht alles Schwarz und Weiß gesehen oder gezeigt. Denn Social Media wird nicht mehr weggehen und das ist auch gut so. Social Media hat eine große Macht und auch die Möglichkeiten und positiven Dinge, die dadurch entstanden sind, sollte man nicht außer Acht lassen.

Vor allem strengere Gesetze werden hier des Öfteren gefordert.

Ein toter Baum ist mehr Wert als ein lebendiger Baum

Dazu sagt Roger McNamee: „Werden wir uns weiterhin den reichsten und mächtigsten Menschen fügen? Oder werden wir uns darauf besinnen, dass es so etwas gibt wie ein nationales Interesse. Das die Interessen der Menschen und Benutzern wichtiger sind als die Produkte von jemanden der ohnehin Milliardär ist.“

Und genau so sehe ich es auch und habe es immer gesehen. Es geht um den Austausch ums verbunden sein. Das reizt mich persönlich an Social Media. Eine langfristige Verbindung und der Austausch. Die Möglichkeit voneinander zu lernen und sich schnell zu informieren. Kontakt zu halten, auch wenn es manchmal nur Digital sein kann.

Im Abspann geben alle beteiligten noch clevere und einfach umzusetzende Tipps, wie sie sich der Sucht und dem Algorithmus entziehen. In einer Merkliste für dich zusammengestellt, mit eigenen Tipps aufgefüllt und sie darf gerne geteilt und verlinkt werden.

Hast Du die Dokumentation schon gesehen? Schreib mir gerne und wir unterhalten uns darüber.

Mehr über the social dilemma

Wenn Du mehr über The Social Dilemma erfahren möchtest, die Produzenten haben eine eigene Homepage und beantworten dort auch in einem FAQ die gängigen Fragen. Auch die Frage, warum sie eine Social-Media-Präsenz haben ist äußerst lesenswert. Kannst du hier nachlesen.

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